Thema:

Sozialpolitik

Kinder und Familie

 

Kindergärten sind Bildungsgärten
Kindergärten sind Bildungsgärten. Nicht „nur“ Betreuung, sondern frühkindliche Förderung muss im Vordergrund stehen. Obwohl Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz haben, besuchen leider nicht alle Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren zumindest halbtags einen Kindergarten.

Die betroffenen Kinder kommen zu einem erheblichen Teil aus sozial benachtei- ligten Familien. Diese sind speziell darauf angewiesen, eine frühe individuelle Förderung zu erhalten, um Chancengerechtigkeit mit Blick auf den weiteren Weg in Schule, Ausbildung und Berufsleben zu erhalten.

Wir fordern, dass der Entwicklungsstand aller Kinder zu Beginn des vierten und fünften Lebensjahres auf kognitive und motorische sowie soziale und vor allem sprachliche Kenntnisse überprüft wird. Stellt sich bei diesen Tests heraus, dass diese Fähigkeiten nicht gegeben oder extrem eingeschränkt sind, so muss den Eltern in einem Beratungsgespräch aufgezeigt werden, welche Vorteile ein Besuch einer Kindertagesstätte für Kinder hat.

 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Um möglichst allen Eltern das Arbeiten zu ermöglichen, müssen sie auf attraktive und zuverlässige Kinderbetreuungsmöglichkeiten zurückgreifen können. Wir wollen, dass die Kinder von Erwerbstätigen bei der Vergabe von Plätzen in Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen bevorzugt berücksichtigt werden, insbesondere jene von alleinerziehenden Elternteilen. Dabei ist es essentiell, dass die angebotene Betreuungszeit ausreicht, um den Eltern eine ganztägige Arbeit zu ermöglichen. Eltern in Schichtarbeit und mit wechselnden Dienstzeiten soll es, durch eine hinreichende Anzahl von Tagespflegepersonen, ermöglicht werden, ihre Arbeit im Bewusstsein gut versorgter Kinder auszuüben.

Die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten sollen sich an den Bedürfnissen der Eltern orientieren. In anderen Kommunen gibt es bereits Modelle, wie Eltern flexibel und nach Bedarf Betreuungszeiten „hinzukaufen“ können. Dies muss auch in Wiesbaden möglich sein. Auch gilt es, die Möglichkeiten zur Überbrückung der Ferienzeiten zu verbessern. Ziel ist eine passende Betreuungszeit für jedes Kind. Dazu zählt unter anderem eine Profilbildung der einzelnen Kindertagesstätten, sodass ein individueller Betreuungsbedarf gedeckt werden kann. Wir werden den Bedarf von Übernachtungskindergärten prüfen und gegebenenfalls ein entspre- chendes Angebot schaffen.

Die Gebührensystematik der Kindertagesstätten ist derzeit weder sozial, noch familienfreundlich. Während bis zu 4 Stunden gebührenfrei sind, wird jede darüber hinaus gehende Nutzung unverhältnismäßig teuer. Dies benachteiligt Eltern, die ganztägig berufstätig sind. Zudem decken 4 gebührenfreie Stunden nicht einmal eine Teilzeitbeschäftigung. Die Freien Demokraten fordern eine gleichmäßige und faire Gebührenerhebung.

Wir wollen eine Novellierung der Gebührensatzung, in der festgehalten, dass die Stadt Wiesbaden bei Nichterbringung der Betreuungsleistung (z.B. im Falle eines Streiks) die Gebühren anteilig zurückerstatten muss.

 

Krippenausbau weiter forcieren
Im Bereich der Krippenversorgung hat die Stadt Wiesbaden eine Abdeckung von 38% erreicht. Dies reicht jedoch insbesondere vor dem Hintergrund der gestie- genen Geburtenrate nicht aus und muss weiter ausgebaut werden. Wir streben in der nächsten Legislaturperiode eine schrittweise Steigerung auf 45% an.

Die FDP Wiesbaden setzt sich für die Schaffung von wohnortnahen Angeboten in der Kinderbetreuung ein. In Stadtteilen, in denen eine hohe Nachfrage besteht, sollen rasch weitere Plätze geschaffen werden. Dabei ist insbesondere der Ausbau von Plätzen für Kinder im Krippenalter sowie die Ganztagsbetreuung im Elementarbereich zu berücksichtigen.

Die FDP Wiesbaden kritisiert die 2012 stattgefundene Erhöhung der Beiträge für Ganztagsplätze im Kindergarten. Für ein familienfreundliches Wiesbaden ist es

unbedingt notwendig, dass auch Ganztagsplätze für Eltern bezahlbar bleiben. Daher werden wir auch den Geschwisterrabatt beibehalten.

 

Freie Träger unterstützen
Die Landeshauptstadt Wiesbaden braucht Pluralität und Qualitätswettbewerb unter den Kindertagesstätten. Eine Vielzahl an verschiedenen Trägern garantiert eine Wettbewerbssituation, die innovative Konzepte hervorbringt. Eine einseitige oder bevorzugte Schaffung von weiteren Plätzen durch die Stadt Wiesbaden als Träger lehnen wir aus diesem Grund ab. Vielmehr unterstützen wir die Schaffung von Betreuungsplätzen in Obhut der freien Träger.

 

KiTas für den Mittelstand
Auch die Einrichtung von Betriebskindertagesstätten ist vorrangig zu unterstüt- zen. Hierbei möchten wir vor allem kleine und mittelständische Unternehmen dabei unterstützen, selbst bei der Kinderbetreuung aktiv zu werden. Aufgrund ihrer geringen Größe kommt es für diese häufig nicht in Frage, eigene Be- triebs-KiTas zu öffnen. Die Stadt soll daher Unternehmer unterstützen, die gemeinsam oder in Zusammenarbeit mit den lokalen Wirtschaftskammern eine KiTa eröffnen wollen. So kann die Stadt zum einen den Ausbau von KiTa-Plätzen beschleunigen, zum anderen werden die betroffenen Unternehmen für junge Familien als Arbeitgeber attraktiver.

Wir setzen uns für selbstständige Kindergärten ein, die ihr zugewiesenes Budget eigenständig verwalten können.

 

Demographiestrategie der Stadt Wiesbaden
Wiesbaden hat entgegen dem gesamtstaatlichen Trend einen Zuwachs an Geburten aufzuweisen. Im Jahre 2014 wurden erstmals mehr als 3000 Kinder in Wiesbaden zur Welt gebracht. Darüber freuen wir uns - es ergibt sich aber auch ein besonderer politischer Handlungsbedarf. Auch für diese Kinder muss ein Betreuungsplatz gewährleistet sein. Nicht sektorales, sondern übergreifendes Denken und Handeln ist gefragt.

 

Erzieherberuf fit machen
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt zeichnet sich in der Landeshauptstadt Wiesbaden wie auch in der gesamten Bundesrepublik ein erhöhter Fachkräftebedarf in den Kindertageseinrichtungen ab. Der rechtliche Anspruch auf einen Tagesbetreu- ungsplatz sowie die Reform des Hessischen Kinderförderungsgesetzes (KiFöG) stellt auch Wiesbaden vor große Aufgaben. Elementar ist für uns, dass die Qua- lität der Betreuung und die Ausbildung der Erzieher nicht unter dem derzeitigen Personalmangel leiden darf.
Zudem wird verstärkt über die Qualität des Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsangebots, bei der die Fachkraft-Kind-Relation von entscheidender Bedeutung ist, diskutiert. Deshalb stellt sich die Aufgabe, gemeinsam mit den Akteuren vor Ort Strategien zur Schließung der Bedarfslücken zu entwickeln. Die FDP Wiesbaden fordert, auf überregionaler Ebene und in Abstimmung mit den Kul- tusbehörden die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher zu reformieren und quantitativ sowie qualitativ auszubauen.

Hierbei ist insbesondere ein Augenmerk auf die Straffung und Verkürzung der Ausbildung für Quereinsteiger zu legen.

Als weiteres muss von der Landeshauptstadt Wiesbaden ein Konzept erarbei- tet werden, das die Wiesbadener Fachkräfte langfristig an unsere Stadt bindet. Außerdem sollte ein Qualifizierungsangebot für Wiedereinsteiger geschaffen werden.

Grundlage für eine verbesserte Ausbildung von Erziehern mit Leitungsfunktion, Erziehern und Kinderpflegern sind zudem verstärkte Investitionen des Bundes und des Landes Hessen in die frühpädagogische Grundlagenforschung, etwa hinsichtlich der Zeitpunkte vorschulischer Sprachtests. Die wissenschaftliche Begleitung der Kinderbetreuung muss deutlich ausgebaut werden, um stetig neue Erkenntnisse in der frühkindlichen Bildung in die Ausbildung einfließen zu lassen. Der Erzieherberuf muss deutlich an gesellschaftlicher und politischer Wertschätzung zunehmen. Damit sowie mit den angesprochenen Veränderungen in der Ausbildung soll auch eine deutlich bessere Bezahlung dieser Berufsgrup- pe einhergehen.

 

Tageseltern unterstützen
Die Kindertagesbetreuung, Betreuung von Kindern im Haushalt der Tageseltern, der abgebenden Eltern oder in fremden Räumen, gewinnt auch in der Stadt Wiesbaden immer mehr an Bedeutung. Vorteile sind die individuelle Förderung der Kinder in Kleinstgruppen, die familiäre Betreuungssituation sowie die hohe zeit- liche Flexibilität. Der gesellschaftliche Anspruch an Verlässlichkeit und Qualität der Kindertagespflege ist vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse, die die Bedeutung der frühkindlichen Bildung verdeutlichen, stark gestiegen. Die FDP Wiesbaden fordert, auf überregionaler Ebene und in Abstimmung mit den zuständigen Behörden die Ausbildung der Tagesmütter zu reformieren und zu verbessern. Die FDP Wiesbaden setzt sich für eine Erweiterung der eingerichte- ten Online Plattform für Kindergartenplätze um eine Tageselternbörse ein, in der qualifizierte Fachkräfte freie Betreuungsplätze inserieren können.

Die FDP fordert die Stadt auf, neue Angebote für Au-Pairs - gegebenenfalls auch in Kooperation mit den Wiesbadener Schulen, Hochschuleinrichtungen und Partnerstädten - zu schaffen.

 

Spielplätze: sicher, spannend, schön
Saubere und gepflegte Spielplätze sind für das Bild von Wiesbaden als fami- lienfreundliche Stadt unabdingbar. In den letzten Jahren ist hier bereits viel erreicht worden. Viele Spielplätze wurden erneuert und mit neuen Spielgeräten ausgestattet. Die FDP Wiesbaden will diese Erneuerung fortsetzen und mit abwechslungsreichen und sicheren Spielplätzen zum Spielen unter freiem Himmel ermutigen.

 

Hilfe für junge Eltern
Junge Eltern stehen vor besonderen persönlichen und finanziellen Herausforderungen: Kinderversorgung, Ausbildung bzw. Studium und Haushalt bedeuten eine Mehrfachbelastung. Die FDP Wiesbaden fordert insbesondere für diese Eltern individuelle Hilfsangebote, durch die sie entlastet werden.

Die FDP will das Angebot für Familien und Kinder zusammenfassen, um es für Familien einfacher erreichbar zu machen. Hier bietet sich das Modell von Famili- enzentren an, die an Kindertagesstätten gekoppelt werden. Diese bündeln Beratungs- und Hilfsangebote für Familien, können Tagespflegepersonen vermitteln und qualifizieren und bieten Sprachfördermaßnahmen auch für Kinder an, die keine reguläre Einrichtung besuchen. Mit den Familienzentren soll ein niedrigschwelliges Angebot an Beratung, Bildung, Information und Hilfe für Familien in verschiedenen Lebensphasen und Problemlagen geschaffen werden.

Zur Unterstützung junger Eltern wird die FDP Wiesbaden das seit 2008 vom Gesundheitsamt initiierte Angebot „Frühe Anleitung durch Kinderkrankenschwestern, Hebammen, Ärztinnen und Ärzten (Franka)“ weiterhin fördern. Das Konzept sieht vor, dass eine Krankenschwester oder eine Hebamme die jungen Eltern zu Hause besucht und bei Fragen zur Gesundheit, Ernährung und Pflege des Babys hilft. Durch das Projekt soll die Früherkennung verbessert und eine fachlich sowie organisatorisch optimierte Vernetzung der in Wiesbaden bereits bestehenden Hilfen und Angebote sichergestellt werden. Angebote bestehen bereits bei niedergelassenen Kinder- und Frauenärzten, Kinderkliniken, Hebammen, Familienbildungsstellen, Psychologischen Familienberatungsstellen, Frühförderstellen und freien Therapieinstituten. Ziel dieser Hilfen muss sein, die Problemfälle so früh wie möglich zu erreichen. Deshalb unterstützt die FDP die Ausbildung von Familienhebammen.

Die FDP Wiesbaden wünscht zudem die Fortsetzung und den Ausbau des Pilotprojekts zur Begrüßung und Begleitung junger Eltern in der Stadt Wiesbaden. Die Neugeborenen in allen Stadtteilen Wiesbadens sollen mit einem „Willkom- menspaket“ begrüßt und die Eltern über die umfassenden Programme und Angebote informiert werden und Antwort auf ihre Fragen erhalten. Auch in der Schwangerschaft soll es Informationen geben. Die FDP Wiesbaden sieht hier die Chance zur Einrichtung eines zugangsöffnenden und niedrigschwelligen Angebots, z.B. durch ein kostenloses, aufsuchendes Beratungsgespräch nach Geburt des ersten Kindes.
Gleichberechtigung: Mann? Frau? Egal!

Die FDP Wiesbaden setzt sich für die Gleichstellung von Frauen, Männern,
inter- und transsexuellen Menschen ein. Daher fordert die Freien Demokraten die Gleichberechtigung als Querschnittsaufgabe in allen Politikbereichen und als Herausforderung zu begreifen. In allen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereichen müssen die Interessen und Meinungen von Frauen gleichberechtigt mit denen von Männern berücksichtigt und eingebunden werden.

 

Vom Frauen- zum Gleichberechtigungsreferat
Wir fordern die Weiterentwicklung des Frauenreferats zu einem Gleichberechtigungsreferat. In mehr als 400 Kommunen, so zum Beispiel in Marburg, hat sich gezeigt, dass die Gleichstellungsbeauftragte das Ziel der Gleichberechtigung aller Geschlechter besser erfüllen kann. Die Gleichberechtigungsbeauftragte soll an allen Entscheidungen und Maßnahmen der Stadt, die Auswirkungen auf die Gleichberechtigung von Frau und Mann haben, mitwirken und auf die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirken. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit sol- len die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie das Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch und die Diskriminierung am Arbeitsplatz stehen. Dabei soll sie der Stadtverordnetenversammlung regelmäßig über ihre Arbeit berichten, um über die Erfolge und Herausforderungen zu informieren. Ebenso soll sie Auskunftsrechte gegenüber städtischen Stellen in Fragen der Gleichberechtigung erhalten.

 

Mädchen- und Frauenförderung
Die politische Arbeit für Frauen hat in Wiesbaden schon viel erreicht. Das funktionierende Netzwerk der Initiativen sowie die Initiativen selbst müssen erhalten bleiben und weiter ausgebaut werden. Die hochqualifizierte Arbeit und das Engagement müssen im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten abgesichert werden. Existenzängste um den Fortbestand der Arbeit und Zitterpartien um Zuschüsse binden Kräfte, die besser für die Gleichberechtigungsarbeit verwendet werden sollten.

Frauen müssen die gleichen Chancen haben, ihre Lebensplanung zu verwirkli- chen. Ihre Potentiale müssen genutzt werden – insbesondere da es in Deutschland noch nie eine so gut qualifizierte Frauengeneration gegeben hat wie heute! Frauen erleben hier jedoch oftmals Beschränkungen. Insbesondere dann, wenn sie Kinder erziehen und die Doppelbelastung von Familie und Beruf tragen, können Benachteiligungen entstehen, die es zu beseitigen gilt.

Die FDP Wiesbaden unterstützt die Initiative „Berufswege für Frauen“, die gezielte Maßnahmen zum Wiedereinstieg in die Arbeitswelt bietet und Frauen unterstützt.