Häusliche Gewalt

Soziales, Familie & Gesundheit12. Mai 2020

Hilfe für Opfer häuslicher Gewalt in der Coronakrise

Lohrmann (FDP): „Opfer nun besonders verwundbar – Aufmerksamkeit und Zivilcourage gefordert”

Experten befürchten, dass die häusliche Gewalt im Zuge der Kontaktbeschränkungen zunimmt. Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet, weil 60% der Meldungen zu sexuellem Missbrauch und Misshandlungen aus Kitas, Schulen und Kinderarztpraxen kommen – Einrichtungen, die aufgrund der noch geltenden Beschränkungen nur eingeschränkt frequentiert werden.

„Wir wissen, dass es auch unter normalen Bedingungen zu Übergriffen im häuslichen Umfeld kommt, aber in der aktuellen Lage sind die Opfer besonders verwundbar. Laut Angaben des Familienministeriums wurde das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ Mitte April um 17,5% häufiger angerufen als in Zeit zuvor“, erklärt Andrea Lohrmann, frauenpolitische Sprecherin der FDP-Rathausfraktion.

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, Johannes Wilhelm Rörig, hat unter dem Titel „Kein Kind alleine lassen“ ein umfangreiches Paket zusammengestellt, das sowohl betroffenen Kindern einfach einen Weg zur Hilfe aufweist, aber auch zur Aufmerksamkeit der Nachbarn und Mitbürger auffordert.

Im Verdachtsfall ist das Hilfetelefon sexueller Missbrauch unter der Nummer 0800 22 55 530 bundesweit, kostenfrei und anonym erreichbar. Das Hilfetelefon ist eine Anlaufstelle für Menschen, die Entlastung, Beratung und Unterstützung suchen oder sich um ein Kind sorgen. Die Freien Demokraten bitten alle Bürgerinnen und Bürger, in Zeiten von Corona besonders genau hinzusehen und im Notfall Zivilcourage zu zeigen.

„In der jetzigen Situation wäre es fatal, wenn Hilfesuchende nicht schleunigst untergebracht werden. Vor diesem Hintergrund fordern wir den Magistrat auf, im Falle drohender Kapazitätsengpässe Zimmer in Hotels oder Jugendherbergen anzumieten, damit Frauen mit Kindern im Falle häuslicher Gewalt vorübergehend Schutz finden können, so Lohrmann abschließend.